"Und hier, liebe Besucher, betreten wir das Zimmer von S. Leverkusen-Monaco. Einstmals Schriftstellerin im Körper einer Bürokauffrau im Körper einer Mutter im Körper einer Ehefrau und Frauchen von Tieren im allgemeinen. Wir gehen davon aus, dass sich, sofern wir das Passwort für ihren Computer in den nächsten drei Jahren knacken, Schätze auf diesem finden, die uns, als Privatmuseum und, was natürlich nicht primär unser Wunsch ist, natürlich nicht (Herr Sowieso reißt seine Augen auf, um sein finanzielles Desinteresse noch deutlicher hervorzuheben), uns auch als Einzelpersonen vielleicht etwas reicher machen könnte." Und dann fragt er sich, ob er den Gedanken gerade tatsächlich laut ausgesprochen hat oder doch nur gedacht. Und all die Hoffnungslosigkeit der letzten Jahre droht aufzusteigen. Frau Babette Frisch und ihr Ehemann Gottfried nicken verständnisvoll als sie den Museumsführer so reden hören, wissen aber eigentlich gar nicht, was er meint. Babette schämt sich vor Gottfried und er denkt nur "Herrgott, was mache ich hier eigentlich. Ich wollte doch heute mit Schmitz Pilze sammeln." Herr Sowieso räuspert sich und zeigt mit der Hand auf das Regal rechts. "Da stehen Bastelbücher. Aus Erzählungen weiß ich, dass Frau Leverkusen-Monaco diese geschenkt bekommen hat und keines davon je gelesen."

 

"Darf ich mal?", traut sich Babette zu fragen und nimmt ein Buch heraus, nachdem Herr Sowieso ihr zugenickt hat. Sie hält in den Händen "Mit und ohne Sonne. Ein Mal-, Spiel-, und Diskutierbuch für Kinder Teil 2". Während Babette blättert, wird sie von ihrem Mann, Herrn Sowieso und den drei anderen Besuchern schweigend angesehen.

 

"Jetzt muss ich wohl was schlaues sagen", denkt sie. "Interessant!", ruft sie und stellt das Buch wieder ins Regal. Ein bisschen unbeholfen wirkt sie dabei und Herr Sowieso hilft ihr ein wenig. "Aber", fährt Herr Sowieso fort, "auch wenn sie die Bücher nicht gelesen hat, hat sie dennoch gebastelt, wie man sieht. Hier ein Sortimentkoffer gefüllt mit Perlen, Plastikmuscheln und Wackelaugen. Dort hinten Acryllack.

 

"Was ist in der Kiste?", fragt eine Dame mit einer grauen Pudelfrisur. Herr Sowieso denkt, dass die Antwort gut zu ihr passt. "Da drin sind 20 cm Schal. Frau Leverkusen-Monaco hat diesen 2017 begonnen." "Aha", antwort die Pudeldame und würde den Schal gerne sehen, aber traut sich nicht zu fragen, ob man dieses Kästchen vielleicht mal öffnen könnte, vielleicht zerfällt dann etwas oder so. Sie hat ja keine Ahnung von den Dingen und Konservierungen und dergleichen. Also sagt sie nichts weiter. Herr Sowieso zeigt nach oben. Zu sehen ist eine Landschaft mit Mohnblumen.

 

"Dieses Bild hat ein Onkel, namens Joachim Buß, gemalt. Es handelt sich hier um den Lieblingsonkel von S. Sie selbst sagte, dass er, außer ihrem Opa, der schon sehr früh verstarb, der einzige Mensch mit Künstlerseele in ihrer Familie gewesen sei. Das Bild bekam S. nach einem Besuch auf seinem kleinen Hof in Conow von ihm geschenkt und sie war unendlich gerührt. Sie hatte auch Mohnblumen so gerne." Alle nicken und Babette kommen fast die Tränen.